Kann man die Ratenzahlung / Tilgung aussetzen (Tilgungsaussetzung)?

Viele Banken erlauben ihren Kunden inzwischen, ein- oder maximal zweimal jährlich mit der Ratenzahlung auszusetzen. Vorausgesetzt wird in der Regel, dass vorher mindestens drei Raten in Folge gezahlt wurden. Entweder ist diese Option fester Vertragsbestandteil oder kann auf Wunsch des Kunden vereinbart werden. Sehen die Kreditkonditionen hingegen keine Aussetzung der Ratenzahlung vor, ist der Darlehensnehmer auf die Kulanz der Bank angewiesen und muss fragen.

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Engpässe überbrücken

Sinn macht es, mit der Ratenzahlung auszusetzen, wenn unvorhergesehene Ausgaben oder auch Arbeitslosigkeit dazu führen, dass der Kredit nicht bedient werden kann. Statt gar nicht zu reagieren und von sich aus die Zahlung einzustellen, ist es ratsam, früh genug mit der Bank zu sprechen. Weisen Kunden von sich aus auf Schwierigkeiten, sind Kreditinstitute eher bereit, gemeinsam mit dem Kunden nach Lösungen zu suchen. Handelt es sich nur um einen kurzfristigen Engpass, ist die Ratenaussetzung der optimale Weg. In dem Fall zahlt der Kreditnehmer für die vereinbarte Zeit keine Raten und hat so die Möglichkeit, seine Finanzen frei von zusätzlichen Belastungen in Ordnung zu bringen.

Raten nachzahlen

Mit den Raten auszusetzen, heißt allerdings nicht, dass die Bank auf das Geld verzichtet. Im Gegenteil: Die Raten müssen anschließend nachgezahlt werden. Zudem erheben die meisten Kreditinstitute Verzugszinsen oder berechnen die Kreditzinsen für die restliche, meist längere Laufzeit neu. Denn üblicherweise verlängert sich der Vertrag, wenn mit einzelnen Raten ausgesetzt wird. Bei zwei Raten Zahlungspause und ursprünglich 24 Monatsraten, liefe das Darlehen in dem Fall 26 Monate. Eine andere Variante sieht vor, dass der Gesamtbetrag der ausgesetzten Raten samt Gebühren zum Laufzeitende getilgt wird. Die dritte Alternative wäre eine Neuberechnung der Raten, die in der Folgezeit entsprechend höher ausfallen. Wie die einzelnen Banken verfahren, sollte vorher geklärt werden, um von Anfang an Klarheit über die Auswirkungen einer Ratenaussetzung zu haben.

Tilgungsaussetzung im Rahmen der Baufinanzierung

Eine Tilgungsaussetzung, wie sie bei Immobiliendarlehen üblich ist, wird bei klassischen Ratenkrediten hingegen nicht angeboten. Hierbei handelt es sich um ein völlig anderes System. Es basiert darauf, dass die Raten sich aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil zusammensetzen. Wird eine Tilgungsaussetzung vereinbart, zahlt der Kunde nur die Zinsen. Die Kreditsumme bleibt dabei gleich und muss am Ende der Laufzeit in einem Betrag getilgt werden. Da kaum jemand einen solchen Betrag aufbringen kann, wird ein zweiter Vertrag abgeschlossen. Häufig handelt es sich dabei um eine Lebensversicherung, denkbar ist auch ein Bausparvertrag. Dieser Vertrag dient als Tilgungsersatz und wird an die Bank abgetreten. Der Kunde zahlt die Beiträge für die Lebensversicherung, mit deren Ablaufleistung der Kredit schließlich getilgt wird. Das Problem, das sich dabei ergeben kann: Wird von einer zu hohen Ablaufleistung ausgegangen, ist eine Nachfinanzierung nötig.